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Eine Reise zum Rauhwoller-Körtermin ins Ursprungsgebiet dieser Schafrasse nach Rügen war seit dem niedersächsischen Züchtertreffen 2008 beschlossene Sache. Am letzten Augustwochenende 2009 war es dann so weit: Die niedersächsische Delegation machte sich auf den Weg in den Nordosten, um neue Eindrücke und evtl. auch Zuwachs für die eigene Zucht von den Gleichgesinnten in Mecklenburg-Vorpommern mitzunehmen.
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Nach einer anstrengenden Anfahrt am letzten Ferienwochenende einiger Bundesländer, trafen alle Teilnehmer glücklich auf der schönen Halbinsel "Mönchgut" auf Rügen ein. Im Hotel "Zum Lobbster" waren, dank der Organisation eines unserer "dienstältesten" Rauhwollerzüchter, Zimmer reserviert und wir konnten am nächsten Morgen ein frühes Frühstück genießen (um uns ein morgendliches Blitzlichtgewitter zu ersparen, ernteten wir dann leider etwas unscharfe Fotos, aber eigtl. waren wir ja auch zum Fotografieren der Schafe und nicht der Leute gekommen) . Schon um 8.00h war der Aufbruch angesagt, denn wir wollten die ersten Eindrücke von der Körveranstaltung auf der Halbinsel "Drigge" nicht verpassen. Dazu mussten wir immerhin noch über 40 Kilometer zurücklegen. Ganz schön groß, dieses Rügen! |
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Wir fuhren pünktlich und bei - entgegen der Wettervorhersage - strahlendem Sonnenschein vor. Das Gelände vom Schafhof Drigge von Reinhard Martin war der Veranstaltungsort für die Körveranstaltung des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes Mecklenburg-Vorpommern.
Einige Schafdamen (auf dem Bild rechts und in der Mitte) vom Veranstalter und einige wenige Böcke (siehe untere Bilder) waren schon da, aber ansonsten war es noch ruhig. Nach und nach wurden dann die weiteren Zuchtbockanwärter vorgefahren und gegen 9.00h konnte mit der Beurteilung durch die Körkommission begonnen werden.
Aber nicht nur Schafe gab es zu bewundern. Die "Spinnrad-Gruppe Ortsverein Putbus" sorgte für das romantische Flair mit einer langen Reihe unterschiedlicher Spinnräder, an denen auch fleißig gearbeitet wurde. Schließlich galt es in einem Wettbewerb den längsten Faden aus der zur Verfügung stehenden Schafwolle zu erstellen. Dazu wurden die Fäden dann auf Holzpflöcke gespannt und vermessen (Bild re.), damit die Siegerin ermittelt werden konnte.
Wie groß die Vielfalt bei der Herstellung von gefilzten Produkten aus Schafwolle sein kann, zeigte der Stand der "Filzerei Tamaris" aus Uckerland (Foto li.). Ob Hüte, Hausschuhe, Kissenbezüge, hübsche Deko-Blumen oder Handytaschen - es gab eine bunte Vielfalt zu bestaunen. Die Niedersachsen steuerten handgewebte Schafwolldecken und Schaffelle zum Ausstellungssortiment bei. Für das leibliche Wohl wurde, wie sollte es anders sein , mit Lammbratwürstchen und Lammragout bestens gesorgt.
Die Hauptdarsteller der Veranstaltung, die Zuchtböcke, waren dann auch für uns Niedersachsen schon beeindruckend.
Bock Nr. 1 aus der Linie 3, geb. im April 2008, von Züchter Hartmut Oehlert erntete für die Wolle eine 7, das Exterieur wurde mit einer 8 bedacht (Foto li. oben). Hervorgehoben wurde der elegante, aber trotzdem männliche Bockkopf.
Bock Nr. 2 (Foto unten li.) wurde von seinem Züchter Manfred Schmidt vorgestellt und bekam mit 7/7 ebenfalls eine Klasse 1-Benotung. Dazu muss das Tier mindestens eine 7 als Note oder besser bekommen, was erstmal erreicht werden muss, denn Mängel entgehen den Augen der Körkommission nicht. Besonders das kräftige, für einen guten Zuchtbock wichtige, Fundament wurde von der Körkommision gelobt.
Bock Nr. 4 mit einem Gewicht von 70,2 kg wurde ebenfalls eingehend untersucht (Foto oben re.) und obwohl der blaugraue Schafmann für die Zuschauer ein sehr ansprechendes Äußeres hatte, das kräftige Bockhaar und der Mähnenansatz gelobt wurden, langte es durch die zu weichen Fesseln der Vorderbeine dann im Exterieur nur zu einer 6. Da half auch die Wollbenotung mit der Note 7 nicht mehr.
Die besten Noten erntete Bock Nr. 5 von Züchter Volker Weiße aus Bergen mit einer "8" im Exterieur und einer glatten "9" in der Wolle (Foto unten re.). 61mm wurden gemessen bei der sehr kräftigen Wolle vom Typ C/D und als Gewicht brachte der imposante, im März 2008 geborene Bock aus der Linie 7, 68 kg auf die Waage.
Die Beschreibungen ließen sich noch um etliche Böcke fortführen. Zum Abschluss wurden dann nochmals die Böcke mit den höchsten Noten aufgerufen, um die Reihenfolge der Besten festzulegen und den "Mr. Drigge 2009" auszurufen. Das Foto links zeigt die Böcke 1A - 1D in der endgültigen Sortierung, vorneweg ist der stolze Siegerbock zu sehen (wie auch auf dem Foto re.). Die Nummern 1, 9, 11 und 5 stellen die vier Besten Zuchtböcke, gefolgt von Nr. 12, 7,14,17 und 10. Zum Wollsieger des Tages wurde der schon erwähnte Bock mit der Nr. 5 gewählt, der im Rahmen etwas hinter den beeindruckenden Konkurrenten zurückblieb und sich ansonsten mit dem 1D-Platz zufrieden geben musste.
Auf dem Foto unten links zeigt Herr von Stärk von der Körkommision, voran man eine gute Wolle erkennt. Der sog. "Silberfaden" wird beim Scheiteln der Wolle deutlich sichtbar.
Nach überstandener Körung und sättigender Mittagspause kam dann mit der Auktion der Zuchtböcke der letzte Veranstaltungspunkt (unten re. im Bild). Und einer der Zuchtböcke wechselte am Ende sein mecklenburgisches Zuhause mit einem neuen Domizil in Niedersachsen. Höhepunkt war allerdings ein Kopf an Kopf bieten um den 1C-Schafbock Nr. 11, bei dem einem schon schwindelig werden konnte, da keiner der Bieter nachgeben wollte. Den Besitzer des Tieres hat es sichtlich gefreut.
Auch wenn man als Schafzüchter nach Rügen fährt, will man nicht den ganzen Tag ausschließlich Schafe sehen und so stand denn am Nachtmittag, nach einem gemütlichen gemeinsamen Kaffeetrinken am Hafen von Lauterberg, die Zeit zur freien Verfügung.
Die schöne Ostseeinsel wieder zu verlassen, ohne die berühmten Kreidefelsen und den "Königsstuhl" gesehen zu haben, hätten wir uns nie verziehen. Dafür musste dann halt noch ein bisschen gewandert werden und am Ende ging es von der "Victoria-Sicht", einem Aussichtspunkt mit Blick auf den "Königsstuhl" knapp 500 Holzstufen hinab zum Ostseestrand ...und natürlich wieder hinauf! Das alles für einen Blick auf einen Felsen!
Wer uns kennt, kann sich allerdings sicher denken, dass wir außer der schönen Aussicht, die es zu genießen gab, noch etwas anderes im Sinn hatten. Diese endlose Holztreppe spielt nämlich auch eine Rolle in einem Schatz beim "Geocaching". Und Volkmar hat sich den, als Nummer 150 in seiner Sammlung, natürlich nicht entgehen lassen!
Wieder im Hotel, wurde der erste Tag mit einem schmackhaften Abendessen und anschließendem Fachsimpeln über die Schafzucht und auch weniger ergiebigen Themen abgerundet, und gegen Mitternacht verabschiedeten sich dann auch die hartnäckigsten Schafliebhaber zur wohlverdienten Nachtruhe.
Immerhin ein Stündchen später durfte der Wecker am Sonntag früh klingeln. Ein Besuch bei der 1000-köpfigen Rauhwollerherde des Herrn Westphal, der nach der Wende mit 25 Tiere angefangen hatte seinen Betrieb zu gründen, stand auf dem Programm.
Schäfer Joachim Westphal nahm sich viel Zeit für den niedersächsischen Besuch, zeigte uns die Standplätze seiner Tiere, erklärte uns die Probleme mit den mageren Böden der Urlaubsinsel, die seine Schafe im Rahmen der Landschaftspflege beweiden, und der Uneinsichtigkeit mancher Touristen, die Schafzäune beim Überqueren zerstören, statt einen Bogen um die abgestecken Weideflächen zu machen. Er erzählte von seinen Anfangszeiten der Rauhwollerzucht und von den Zukunftsplänen, seinem Zwei-Mann-Betrieb, der unabhängig die 1000 Tiere versorgen kann, von Absatzproblemen und der Schafwolle, die man quer durch Deutschland zur Verarbeitung bringen muss, weil es sonst überhaupt keine Möglichkeit mehr gibt, sie zu nutzen. Wir Hobby-Schäfer hörten gebannt zu und wieder wurde uns bewusst, wie entbehrungsreich das Leben für die ist, die sich auch von berufswegen einer Landschafrasse wie den Rauhwollern verschrieben haben. Die Vermarktung möchte Joachim Westphal in Gang bringen und auch im idyllischen Groß Zicker hat nun der Computer Einzug gehalten.
Als zweites Standbein vermietet die Familie noch Fremdenzimmer. Man muss flexibel sein.
Wer Lust auf Inselferien verspürt, wäre beim Rauhwoller-Schäfer Westphal sicher ebenfalls gut aufgehoben. Das hübsche reetgedeckte Haus stellen wir deshalb hier mit vor. Ein bisschen revanchieren wollen wir uns natürlich auch für die vielen Informationen.
So idyllisch die Bilder der Herde unter blauem Sommerhimmel auch sein mögen: Die Erzählungen des Schäfers geben uns einen Eindruck von der vielen Arbeit, die dahinter steckt. Und seine Rauhwoller sind vielleicht die "wahren" Rauhwoller, die auf kargem Boden mit dem auskommen müssen, was die Natur ihnen gerade bietet. Die Wiesen sind mager, teures Zufüttern würde jeden finanziellen Rahmen sprengen und schließlich sind Landschafe bekannt für ihre Widerstandskraft, Genügsamkeit und Ursprünglichkeit. Auf fetten Weiden hochgezüchtete Landschafe, die als Jährlingsböcke schon 80 Kilo auf die Waage bringen... ob da das Zuchtziel nicht längst verfehlt ist?
Wir danken Joachim Westphal für die Zeit, die er für uns hatte, obwohl die Arbeit währenddessen liegengeblieben ist. Wir sind beeindruckt vom Gehörten, ein wenig schlauer und ein wenig nachdenklicher ... hoffentlich.
Unser "Studien-Wochenende" in Sachen Rauhwoller neigte sich viel zu früh dem Ende entgegen. Rügen ist von uns aus nicht gerade um die Ecke und etliche Stunden Fahrt lagen vor uns. Aus dem Hotel hatten wir schon am frühen Morgen ausgecheckt und gegen 14.30h am 30. August 2009 war das Abenteuer Rügen mit der Fahrt über die imposante Rügenbrücke zurück auf's Festland vorüber.
Schön war's! Anregend und informativ ....und viiiiieeeel zu kurz!
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